Wer von auswärts kommt, hält «Grotto» manchmal für ein anderes Wort für Beiz. Nicht ganz. Bevor es ein Ort zum Essen ist, ist das Grotto ein Keller.
Ein kühler Raum unter dem Fels
In den Tälern des Tessins, wo der Berg aus grossen herabgestürzten Felsblöcken besteht, gruben oder bauten die Familien kleine Keller an den Fels, oft ausserhalb des Dorfes, im Schatten der Kastanien. Aus manchen Felsspalten strömt kühle Luft, die die Temperatur auch im Hochsommer tief und gleichmässig hält.
Dort lagerte man, was bei Hitze verdirbt: Wein, Formaggini, Wurstwaren, Butter. Jahrhundertelang war das Grotto der Kühlschrank des Dorfes.
Daher auch der Name: Grotto, von grotta, Höhle.
Vom Keller an den Tisch
Wer zum Grotto ging, um Wein zu holen, blieb gern ein wenig: ein Stück Käse, eine Salami, ein Glas im Kühlen. Vor den Kellern tauchten Granittische und Bänke auf, dann Pergolen für den Schatten. Mit der Zeit begannen einige Grotti, auch Leuten ausserhalb der Familie etwas zu essen zu servieren.
So entstand das Grotto, wie wir es heute kennen: ein einfacher Ort im Freien, mit einer Küche aus wenigen Gerichten.
Woran man es erkennt
Es gibt keine geschriebene Regel, aber einige Zeichen:
- Der Keller ist echt, und von dort kommt der Wein;
- gegessen wird vor allem draussen, an Steintischen, unter einer Pergola oder unter Bäumen;
- die Karte ist kurz: Wurstwaren, Formaggini, Minestrone, Polenta, Risotto, ein paar Tagesgerichte;
- der Wein kommt im Boccalino und wird aus Tazzine getrunken;
- viele Grotti sind nur in der schönen Jahreszeit offen und bleiben im Winter zu.
Und unseres
Das Grotto ai Tre Lumi hält sich an dieselben Regeln. Der Keller liegt unter dem grossen Felsblock hinter dem Hof: Im August sind es draussen dreissig Grad, drinnen gut zehn. Wir haben acht Tische, aus Granit. Wir öffnen Mitte April und schliessen Ende Oktober, mit der Castagnata.
Die drei Laternen an der Pergola sind unser Wirtshausschild: Brennen sie, sind wir offen.